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Branchengespräch / Know-how Transfer: Erfahrung- und Informationsaustausch im Bereich der Nahrungsmittelindustrie - Zuckerindustrie

Branchengespräch / Know-how Transfer: Erfahrung- und Informationsaustausch im Bereich der Nahrungsmittelindustrie, spez. in der Zuckerindustrie, am Beispiel des transnationalen Konzerns Agrana – Österreich / Slowakei
09. Dezember 2010, Trnava, Slowakei

Ort: Hotel Barbakan, Trnava

Teilnehmer aus der Slowakei:
o Ing. Magdaléna Mellenová – Vorsitzendin der Nahrungsmittelgewerkschaft
o Ľubomír Moncoľ – Vorsitzende der betrieblichen Gewerkschaftsorganisation in der Zuckerfabrik AGRANA Sereď, Slowakei
o Daniela Vodičková – Mitglied der betrieblichen Gewerkschaftsausschusses in der Zuckerfabrik AGRANA Sereď, Slowakei
o Alena Huláková, Zuckerfabrik AGRANA Sereď, Slowakei
o Jana Fialová – Assistentin der Nahrungsmittelgewerkschaft, Bratislava

Teilnehmer aus Österreich:
o Thomas Buder – ZBR Zucker und Konzern AGRANA
o Wolfgang Zuser – Gewerkschaft pro.ge, Wien
o Gerhard Glatz – ZBR Stärke, Tulln
o Mag. Erika Bršelová – Gewerkschaft vida, Wien

Das Ziel der Veranstaltung war ein Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den Arbeitnehmervertretern im Betrieb AGRANA in der Slowakei und in Österreich. Diese Veranstaltung wurde nach der Vereinbarung vom 26. April 2010 organisiert. Wir sind froh, dass dieses Treffen trotz der verlaufenden Zuckerkampagne zur Stande gekommen ist. Wir halten es für sehr wichtig, dass er Information – und Erfahrungsaustausch auch in der Zukunft verläuft und zur Verbesserung der Kontakte und Arbeitsbedingungen beitragen wird.  

Schwerpunkte der Diskussion:
 
1. KV-Verhandlungen in der Slowakei – Nationale- und Betriebsebene, Inhalt des KVs für den Zuckerbereich, Sozialer Fond und seine Schöpfung
2. KV-Verhandlungen in Österreich – aktueller Stand,  /Arbeitszeit, Entlohnung, Zuschläge, Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, Zugang zu den Informationen
3. Gemeinsame Soziale Verantwortung /Corporate Social Responsibility/ in der Agrana Gruppe
4. Europäischer Betriebsrat /EBR/ bei Agrana / Südzucker
5. Out-sourcing von Finanzabteilungen in der Agrana - Betrieben 
6. Verschiedenes

1. Am Anfang des Treffens hat Magdaléna Mellenová, Vorsitzende der Nahrungsmittelgewerkschaft, über den aktuellen Stand in den KV-Verhandlungen informiert. In der Slowakei gibt es zu dieser Zeit 2 Zuckerfabriken – Agrana und Nordzucker /in der Vergangenheit waren es 11 Zuckerfabriken/. Beide Arbeitgeber sind Mitglieder des Slowakischen Zuckerverarbeitenden Vereins /Arbeitgeberverband/. Die Nahrungsmittelgewerkschaft und der Arbeitgeberverband sind die Verhandlungspartner bei den KV-Verhandlungen auf der nationalen Ebene. Bestimmungen dieses KVs sind gleich für beide Zuckerfabriken. Zusätzlich dazu wird auch ein KV auch der Betriebsebene verhandelt, hier kommt es zu den Unterschieden zwischen den 2 Zuckerfabriken. Der KV auf der nationalen Ebene wird für mehrere Jahre verhandelt, die Entlohnungstabelle wird allerdings jedes Jahr neu verhandelt, auch mit Berücksichtigung des Inflationsgrades usw.

Für die KV-Verhandlungen ist auch die Höhe des gesetzlichen Minimallohnes wichtig, es wird von den Staat- Gewerkschaften- und Arbeitgebevertretern jedes Jahr verhandelt. Im Jahr 2010 war es in der Höhe von 307,70,-EUR, für den Jahr 2011 wurde der Minimallohn in der Höhe von 317,-EUR verhandelt. Durch die KV-Verhandlungen kann der Minimallohn noch erhöht werden.

Frau Mellenová hat über die wichtigsten Punkte berichtet – Entlohnung, Zuschläge für Überstunden, Risikoarbeit, Probleme mit dem Zugang zur Informationen von der Seite des Arbeitgebers, das Recht auf Konsultation über die Personalveränderungen im Betrieb usw. Sie hat auch über den Sozialfond berichtet, der vom Gesetz eingerichtet und das Geld für die Regeneration der Arbeitskräfte benutzt werden muss. Da sich die Slowakei in der Gesetzgebung an die EU Schritt für Schritt anpasst, wird der Sozialfond in den kommenden Jahren aufgelöst.

2. Wolfgang Zuser, Branchensekretär der Gewerkschaft pro.ge hat über den aktuellen Stand in der KV-Verhandlungen in Österreich berichtet, darunter auch über die Arbeitszeitregelung, Schichtenarbeit, Zuschläge, über die Pflicht des Arbeitgebers, den Betriebsrat / Gewerkschaften über die wirtschaftliche Lage des Betriebes zu informieren, sowie über die Art und Weise, wie die KV-Verhandlungen verlaufen /Termine, Fristen, Vorbereitung der Unterlagen und Strategie…/.

* es gibt Unterschiede vom Betrieb zu Betrieb im Zusammenhang mit der Gesetzgebung und deren Umsetzung in der Praxis, was die Sicherstellung der Informationen vom Arbeitgeber gegenüber dem BR betrifft

* der Betrieb muss 4x im Jahr diese Informationen zur Verfügung stellen, und Informationen für Alle 2x im Jahr zur Verfügung stellen /immer vor Beginn und nach der Kampagne/

* Arbeitsinspektorate gibt es in Österreich auch, Gesundheit und Sicherheit, sowie die Senkung der Krankenstände und Arbeitsunfälle sind die höchste Priorität für die Gewerkschaften / Betriebsrat und den Arbeitgeber

* Inflationsgrad im Zeitraum September 2009 – August 2010 war 1.31%, durch die KV-Verhandlungen hat pro.ge 1,8% Lohnerhöhung erzielt, die Verhandlungen waren im 2010 sehr schwer und der Druck der Arbeitgeber auf die Einschränkung der Zuschläge für Überstundenarbeit sehr hoch

Weiter gab es noch Informationen über die sog. „All-In“- Verträge, die für die Mitarbeiter sehr gefährlich sind, weil die Zahl der Überstunden in diesen Verträgen nicht eingeschränkt ist.

 3. Im Zusammenhang mit den KV- Verhandlungen haben Kollegen aus Österreich empfohlen, sich das Dokument „Corporate Social Responsibility“ der Gruppe Agrana anzuschauen und bei Verhandlungen immer dabei haben. Dieses Dokument findet man auch auf der Webseite des Konzerns www.agrana.com in mehreren Sprachen.

4. Thomas Buder hat ausführlich über die letzte Sitzung des EBRs berichtet, vor allem über

* Investitionsbereich des Konzerns
* EU-Zuckermarktordnung, Quoten
* Mitarbeiter in den Betrieben und Leasingmitarbeitern, die im Teil der Betriebe 20% der Arbeitskräfte vorstellen /Österreich – pro.ge sind die einzigen, die einen KV für diese Leasingmitarbeiter haben/
* Mangel an Fachkräfte /4-Schichtenbetrieb/
* Umsatz des Konzerns, Investitionen in der Zukunft
* Gemeinsame Agrarpolitik der EU – bis Ende 2011 soll die Endversion des Vertrags zur Stande kommen /Quoten, Preise pro Tone

An den Sitzungen des EBRs nehmen auch KollegInnen aus Ungarn teil. Vertreter aus Tschechien nehmen sehr oft nicht teil. Die Slowakei hatte einen Vertreter aus dem Konzern Südzucker, diesen Betrieb gibt es in der Slowakei nicht mehr, so könnte eventuell dieser Platz an Agrana Sered überlassen werden. Allerdings muss in diesem Betrieb ein EBR-Vertreter gewählt werden, nach Rücksprache mit dem Arbeitgeber und Belegschaft vor Ort.

Thomas Buder hat angeboten bei der nächsten EBR-Sitzung nach der Vorgangsweise nachzufragen (stimmt das?).  
      
5. Die slow. KollegInnen waren auch auf dem O4-Prozess interessiert. Es handelt sich um den Abbau von Finanzabteilungen in den jeweiligen Agranabetrieben und der out-sourcing ins Ausland. Es wurde vorgeschlagen, dass wenn es mehr Informationen zur Verfügung gibt, könnten die slowakischen und österreichischen Kollegen eine gemeinsame Stellungnahme vorbereiten.

Es wurde auch sehr viel über den Lärm und Sicherheitsmaßnahmen auf beiden Seiten diskutiert. Immer mehr ist dabei klar geworden, dass die Arbeitgeber versuchen, die Mitarbeiter in verschiedenen Ländern und mehreren Aspekten gegeneinander auszuspielen und aus diesem Grund wird es immer wichtiger, dass solche Arbeitstreffen zur Stande kommen und die Arbeitnehmervertreter auf beiden Seiten der Donau – Slowakei / Österreich – miteinander reden und zusammenarbeiten.
 
Erstellt vom: Jana Fialová, Assistentin
OZ potravinárov SR / Nahrungsmittelgewerkschaft der Slowakischen Republik/

Ergänzt und übersetzt vom: Erika Bršelová, Projektassistentin der Gewerkschaft vida

Bratislava / Wien, Januar 2011