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Seminar: Werbemaßnahmen und Mitgliederwerbung

Die österreichische Fachgewerkschaft pro.ge hat am 7. Juli 2011 in Wien im Rahmen de EU-Projektes ZUWINBAT ein Seminar zum Thema "Werbemaßnahmen und Mitgliederwerbung" für die slowakischen Gewerkschaftsfunktionäre von verschiedenen Fachgewerkschaften organisiert.

Koll. Richard Ondraschek hat folgende Schwerpunkte angesprochen: ÖGB Konzept im Bereich der Mitgliederwerbung, Problemfelder, Themenbereiche und Herausforderungen.
Der ÖGB hat eine Analyse über die Mitgliederstruktur durchgeführt und herausgestellt, dass die größte Abwanderung der Mitglieder in der Altersgruppe von 20 bis 30 Jährigen stattfindet, und zwar aus dem Grund des Übergangs von der Jugendstruktur in die Erwachsenenstruktur.
Aus Erfahrung ergibt sich heraus, dass die Mitglieder nicht auf Grund einer Werbekampagne in die Gewerkschaft kommen, sondern auf Grund eines persönlichen Kontaktes / persönlichen Gesprächs. Deshalb ist es wichtig, dass die Betriebsräte / Gewerkschaftsfunktionäre unter die Menschen gehen. In der pro.ge hat man versucht, sog. weiße Flecken zu identifizieren und neue Kampagnen vorzubereiten. Wobei die Hauptzielgruppe die 35-Jährigen sind. Man versucht auch neue Angebote für diese Zielgruppe zu konzipieren / Arbeitswelt, Familienleben. Erholung usw.
Wichtig ist auch, dass man auf der lokalen Ebene präsent ist und in Zusammenarbeit mit den Funktionären vor Ort in die Betriebe oder Schulen reinkommt und die Gelegenheit nutzt, sich zu präsentieren.

Kollg. Günter Harapatt hat in seiner Präsentation die Herausforderungen der Mitgliederwerbung im Zusammenhang mit der Integration der Fachgewerkschaften vorgestellt. Die pro.ge entstand nach einer Integration von 4 Fachgewerkschaften MBT/TBL, GMT/ANG, GMTN und musste nach jeder Fusion neue Logos, Unterlagen und Werbematerialien produzieren. Die pro.ge hat zusammen mit 2 weiteren Fachgewerkschaften eine Druckerei, auf der Webseite gibt es einen on-line shop für die Funktionäre und zusätzlich hat man eigene Werbe- und Kampagnenabteilung.

Weiteres hat Günther die Wichtigkeit der Betriebsräte (BR) und deren Arbeit auf der betrieblichen Ebene betont. Um neue Mitglieder zu gewinnen, muss man Menschen persönlich ansprechen. Durch ein Gespräch stellt man fest, was die Menschen / Arbeitnehmer eigentlich brauchen. Wenn man selber von der richtigen Sache überzeugt ist, kann man andere auch überzeugen. Daraus folgt die Feststellung, dass man systematisch daran arbeiten muss, die Fähigkeit zum "Ansprechen und überzeugen" zu gewinnen.
Über die Position der BR und deren Kompetenzen wurde eine kurze Diskussion geführt.

Nach der Mittagspause wurde das Programm fortgesetzt und zwar mit dem Thema  "Mitgliederwerbung unter den Jugendlichen". Dieser Programmpunkt wurde von Michael Zulj (ÖGJ) und Christian Illitz (pro.ge Jugend) vorgestellt. Der ÖGB und die Fachgewerkschaften sind dafür bekannt, dass sie junge Menschen in den Berufsschulen oder am Arbeitsplatz ansprechen dürfen. Da die Jugendlichen und junge Erwachsenen am besten von den jungen Funktionären angesprochen werden, achtet man in der pro.ge sehr auf die Nachfolgerschaft.
Das System der Berufsausbildung ist in Österreich anders als in der Slowakei. Daraus ergeben sich mehrere Möglichkeiten für die österreichischen KollegInnen. Die Gewerkschaften haben den Zugang in die Schulen, verhandeln die Höhe der monatlichen Entschädigung für die Lehrlinge, es gibt sog. Jugendvertrauensräte,/JAV/ usw. 
Die pro.ge Jugendabteilung bereitet eigene Kampagnen vor, fährt ca. 156 Tage im Jahr mit einem Minivan durch ganz Österreich und präsentiert sich in/vor den Schulen, Betrieben, auf Konzerten oder anderen öffentlichen Veranstaltungen usw.

Zum Schluss der Veranstaltung haben die Kollegen von der pro.ge die Werbematerialen vorgestellt - Broschüren und Folder zu verschiedenen Themen, kleine Souvenirs und den online shop.

Die Schlussfolgerung dieser Projektaktivität lautet: es ist wichtig, unter den Menschen zu sein. Die Gewerkschaftspolitik macht man nicht am Tisch, sondern persönlich vor Ort. Die Vertrauenspersonen / Betriebsräte sind deshalb sehr wichtig. 
     
Diese Projektaktivität wurde von den TeilnehmerInnen sehr hoch bewertet und die slowakischen KollegInnen sind mit vielen neuen Anregungen und Ideen zurück in die Slowakei gefahren. In der Slowakei gibt es zur Zeit 26 verschiedene Fachgewerkschaften deshalb wurde ein Integrierungsprozess schon gestartet (ursprünglich gab es 33 Fachgewerkschaften). Der Mitgliederverlust war in den letzten 10 Jahren sehr dramatisch, es ist deswegen höchste Zeit, neue Aktionen und Kampagnen zu starten.